• Kategorie: Politik

Die Milchindustrie - Was steckt wirklich dahinter

Immer mehr Menschen ernähren sich vegan oder fangen an auf Milchprodukte zu verzichten, doch wieso eigentlich? Was ist an der Milchindustrie so schlimm, dass so viele Menschen auf einmal anfangen Milchprodukte zu boykottieren?

Die Werbung, für die der Milchindustrieverband 2010 allein 500 Mio. € ausgab, zeigt zufrieden ausschauende Kühe, die gemütlich bei Sonnenlicht auf der Wiese grasen. Die friedlich aussehende Idylle hat nichts von dem Horror, der sich in Wahrheit hinter den Kulissen abspielt und die Tiere geradezu tyrannisiert.

Rund 120 Kilo Milch und Milchprodukte verbrauchen die Deutschen in einem Jahr, weswegen es in Deutschland mittlerweile fast fünf Millionen Haltungsplätze für Kühe in der deutschen Milchproduktion gibt, wovon jedoch nur weniger als die Hälfte Zugang zur Weide erhalten.

Direkt nach der Geburt wird das Kalb seiner Mutter entrissen, damit diese die Milch für den Menschen geben kann und nicht für ihr Baby. Milchkühe geben heute mehr als doppelt so viel Milch wie noch vor drei Jahrzehnten. Die Kälbchen werden meist in sogenannte  Kälberaufzuchtboxen gesperrt und mit Milchpulver aufgezogen, während die Milch der Kuhmutter zur Herstellung menschlicher Nahrungsmittel verwendet wird. Die meisten Kühe werden anschließend direkt wieder künstlich befruchtet, um weiterhin Milch geben zu können.

Alle 8 Stunden werden die Kühe von den Melkmaschinen gemolken. Durch Namen wie „DE 1300188124“ und das Melken durch Melkroboter verliert letzten Endes sogar der Bauer den Bezug zu den Tieren. Diese werden nicht mehr als Individuum sondern als eine Art „Hochleistungsmaschine“ für die Produktion von Nahrung angesehen. Die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Tiere interessiert schon lange niemanden mehr. Einzig und allein der Profit, den man durch das Tier erlangen kann ist von Bedeutung. Sogenannte Hochleistungskühe, welche über 50 Liter Milch am Tag geben können zum Teil achtfache Mutter werden, ohne jedoch eines ihrer Kinder länger als einen Tag gesehen zu haben. Sobald die Kuh schwach und nicht mehr zur Produktion von Milch fähig ist wird sie zum Schlachter gebracht, da sie „abgenutzt“ und nicht mehr rentabel ist. Im Durchschnittgeschieht dies heutzutage nach 2-3 Jahren, obwohl Kühe eigentlich bis zu 20 Jahre alt werden können.

Da die Kühe in der heutigen Hochleistungszucht unnatürlich hohe Mengen an Milch geben müssen, wird all ihre Nahrungsenergie in die Produktion von Milch gesteckt. Die für die Milchproduktion benötigten Aminosäuren werden der Muskulatur entzogen, was zur Folge hat, dass die Kuh um bis zu 100 Kilo abmagert. Im Gegensatz zum Euter wirkt der restliche Körper daher eingefallen. Der Leidensdruck der Tiere spielt jedoch keine Rolle, im Mittelpunkt steht die maximale Produktionsmenge. Rund 30% aller Kühe leiden an Mastisis, einer Euterentzündung, weswegen Experten vom Rohmilchkonsum abraten, da die Gefahr Keime mit aufzunehmen zu hoch ist. Knapp 800 Tonnen Antibiotika wurden 2005 in der „Nutztierhaltung“ verwendet. Das ist erheblich mehr als in der Humanmedizin.

Auch auf den Klimawandel hat all dies enorme Auswirkungen, denn nach Angaben der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) sind Nutztiere für 14,5% der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dies ist die Hälfte aller ernährungsbedingten Treibhausgase. So verursachen die 20 weltweit größten Fleisch- und Milchkonzerne jährlich 30 Millionen mehr Tonnen an Emissionen, als Deutschland, der viertgrößte Industriestaat der Welt. Bei der Produktion von 1kg Rindfleisch werden 10-30kg Emissionen ausgestoßen. Bei der Produktion von 1kg Tofu belaufen sich die Emissionen im Gegensatz nur auf 1kg.

Würden die Deutschen 1/5 weniger Fleisch produzieren, bzw. konsumieren, würde das so viel weniger Klimagase bedeuten, wie die Stilllegung des Braunkohlekraftwerks Weisweiler.

Unser Fleischkonsum hat somit eine immense Auswirkung auf die Lebensbedingungen von Tieren und unser Klima. Mit jedem Einkauf den wir tätigen geben wir in gewisser Weise einen Wahlzettel ab, der Einfluss auf die Industrie und somit auch auf die Konsequenzen für unsere Umwelt nimmt. Von daher ist es notwendig, dass jeder von uns sich mit seinem Konsum und den daraus resultierenden Konsequenzen auseinandersetzt und sich dann bewusst zum Einkauf von gewissen Dingen entscheidet oder diesen verweigert.