Wohin mit den Ängsten in der Coronazeit?

Wohin mit den Ängsten in der Coronazeit?

Ein Interview mit Frau Díaz de León, Beratungslehrerin am Hardtberg-Gymnasium

 

HBG „Flash“: Was waren vor Corona die häufigsten Probleme, mit denen die Schülerinnen und Schüler zu Ihnen kamen? Welche Probleme gab es während des Lockdowns und welche gibt es aktuell?

Frau Díaz de León: Viele Themen sind zeitlos, wie zum Beispiel die Pubertät, Familie, Selbstfindung, schulische Probleme und sexuelle Orientierung. Sowas ist natürlich immer noch Thema, aber es gibt auch coronaspezifische Themen wie die Isolation und Ängste. Vor allem in der Oberstufe existieren zudem Zukunftsängste.
Momentan sprechen mich viele Schülerinnen und Schüler hinsichtlich Problemen mit Auslandsaufenthalten und Studium an. Außerdem ist die persönliche Selbstentfaltung erschwert. Während des Lockdowns konnte man nicht ausgehen und es war kein Freiraum von der Familie möglich, weil immer alle zusammen waren. Es gab aufgrund der schulischen Situation nicht mehr so viel Tagesstruktur und die Schülerinnen und Schüler sind viel allein gewesen. Auch Probleme mit Magersucht nahmen zu, da das Gefühl einer fremdgesteuerten Welt entstand, man aber Kontrolle über den eigenen Körper haben wollte. Außerdem entwickelten Schülerinnen und Schüler soziale Phobien.

HBG „Flash“: Sind wegen Corona mehr Schülerinnen und Schüler zu Ihnen gekommen?

Frau Díaz de León: Auf der einen Seite war es schwieriger, weil keiner da war und so schulische Ansprechpartner fehlten. Ich hatte Telefon- und Videokonferenzen, aber meistens mit Schülerinnen und Schülern, die ich schon kannte. Nach dem Lockdown gab es aber eine große Nachfrage. Neue Schülerinnen und Schüler kamen oft, weil die Probleme von außen gesehen und die Schülerinnen und Schüler zu mir geschickt wurden.

HBG „Flash“: Denken Sie, dass Corona die Schülerschaft verändert hat, und wenn ja, in wiefern?

Frau Díaz de León: Natürlich gab es durch Corona Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler. Hier kommt es auf das Alter und die Person an sich an. In der Oberstufe gab es mehr Ängst und Probleme, vor allem die Zukunft betreffend. Die jüngeren Kinder waren meistens eher anpassungsfähig, aber wie erwähnt, kommt es auf das Individuum an sich an. Manche Schülerinnen und Schüler waren im Distanzunterricht sogar besser als im „normalen“ Unterricht. Ein anderer Faktor war auch die Isolation, es kam darauf an, wie gut man sich mit der Familie versteht und wie viel Freiraum man trotz Isolation hatte.

HBG „Flash“: Glauben Sie, dass es geholfen hat, sich an Sie zu wenden?

Frau Díaz de León: Ich glaube, es ist immer eine gute Idee, sich Hilfe zu suchen. Oft hilft es schon, über seine Probleme zu sprechen und jemanden zu haben, der einem zuhört. Außerdem kennen wir Beratungslehrerinnen- und lehrer auch andere Stellen und Personen, die helfen können.

HBG „Flash“: Wie läuft die Sprechstunde normalerweise ab? Gibt es Dinge, die sich durch Corona geändert haben? Waren Ihre Möglichkeiten im Distanzunterricht sehr eingeschränkt?

Frau Díaz de León: An sich hat Corona nicht so viel verändert. Die Sprechstunden waren online und das war für manche Schülerinnen und Schüler sogar besser, da es sich nicht ganz so persönlich anfühlte.
Wir sind vier Beratungslehrerinnen- und lehrer und und jeder hat feste Sprechstunden. Natürlich kann man auch einen anderen Termin vereinbaren oder zu den Sprechstunden einfach vorbei kommen. Oft werden die Schülerinnen und Schüler von Kollegen zu einem Gespräch geschickt.
Als Erstes können sie von ihren persönlichen Problemen erzählen, wir hören zu und suchen zusammen nach einer Lösung. Das können vier bis fünf Sitzungen sein. Bei Familienproblemen wenden wir uns auch oft an den Schulpsychologen.

HBG „Flash“: Kann man sich bei Ihnen auch anonym melden?

Frau Díaz de León: Tatsächlich ist das noch nie passiert und eigentlich nicht vorgesehen. Es war auch nie Thema.

HBG „Flash“: Kommen auch Schülerinnen und Schüler aus Ihrem eigenen Unterricht zu Ihnen?

Frau Díaz de León: Manche möchten lieber zu einem anderen Lehrer gehen, damit man besser zwischen Lehrer und Beratung trennen kann. In diesem Fall tauschen wir dann einfach. Manche möchten aber auch gerne zu einem Lehrer, den sie schon kennen, gehen. Das ist natürlich auch kein Problem.

HBG „Flash“: Haben Sie eine Schweigepflicht?

Frau Díaz de León: Ja. Wir Beratungslehrer haben eine Schweigepflicht. Diese gilt allerdings nicht, wenn es um Suizid geht, oder die Person möchte, dass wir mit jemandem anderen darüber reden.

HBG „Flash“: Wir danken für das Gespräch.

 

Also, solltet ihr mal eine Problem haben - egal welches – könnt ihr euch an die Beratungslehrer wenden. Sie sind dafür da, euch zu helfen!

Herr (Jörg) Bröckelmann, Sprechstunde Di 3. Stunde (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Frau (Luz) Díaz de León, Sprechstunde Mo 5. Stunde (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! )
Frau (Uta) Grothkass, Sprechstunde Mi 3. Stunde (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Frau (Eva) Tóth, Sprechstunde Fr 3. Stunde (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)